Thomas Schremmer/ Januar 5, 2018/ neu/ 0Kommentare

Üblicherweise wird zum Jahreswechsel mehr über Wünsche gesprochen, im Politischen wie im Privaten. Mehr Frieden, mehr Gerechtigkeit, mehr Zusammenhalt. Keine politische Weihnachts- oder Neujahrsrede ohne gefühlsschwere Absichtserklärungen zu den sozialen Verwerfungen in unserer Gesellschaft oder zu den Folgen allzu heftiger Konsumorientierung. Fazit: Der Mensch ist mehr als seine Rendite. Das alles gespickt mit gleichzeitigem Dank an alle Freiwilligen und Ehrenamtlichen dieser Welt, die im wesentlichen außerhalb staatlicher Strukturen quasi für eine Ersatzvornahme in sozialpolitischer Hinsicht sorgen. Die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident machen da keine Ausnahme:

Weihnachtsansprache Frank-Walter Steinmeier, 25.12.2017

“Nun bin ich im zurückliegenden Jahr viel unterwegs gewesen in unserem schönen Land und habe Orte kennengelernt, die alles herbeisehnen – nur keine Stille.”

“Wunder wirken können die Menschen auch dort nicht. Das Geld fehlt, wo es andernorts auch fehlt. Aber das hat sie nicht aufgehalten: Deshalb gibt es dort jetzt wieder ein von Freiwilligen betriebenes Café und Treffpunkt dort im Zentrum, ein kleines, als Bürgerinitiative gegründetes Kino, einen von Nachbarn gebauten Spielplatz und Häuser, für die die Gemeinde Sorge trägt, die sie vor dem Verfall schützt und für junge Familien wieder herrichtet.” (http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2017/12/171225-Weihnachtsansprache-2017.html)

 

Neujahrsansprache Angela Merkel, 31.12.2017:

“Aus zahlreichen Gesprächen und Begegnungen in diesem Jahr weiß ich, dass sich viele von Ihnen Sorgen über den Zusammenhalt in Deutschland machen. Schon lange gab es darüber nicht mehr so unterschiedliche Meinungen. Manche sprechen gar von einem Riss, der durch unsere Gesellschaft geht.”

“Die einen sagen: Deutschland ist ein wunderbares Land, in dem die Werte unseres Grundgesetzes gelebt werden. Ein Land, das stark und wirtschaftlich erfolgreich ist. In dem noch nie so viele Menschen Arbeit hatten wie heute.”

“Die anderen sagen: Es gibt zu viele Menschen, die an diesem Erfolg nicht teilhaben. Die nicht mit dem Tempo unserer Zeit mitkommen. Die sehen, dass es ihre Kinder in die Großstädte zieht und sie allein bleiben, in Gebieten, in denen vom Einkauf bis zum Arztbesuch der Alltag immer schwieriger wird.”(https://www.zdf.de/nachrichten/heute/neujahrsansprache-merkel-106.html

 

Wollen wir das so (hören)? Aus Sehnsucht nach innerem Frieden? Natürlich ist eine solidarische Gesellschaft ohne freiwilliges Engagement kaum vorstellbar und es ist ausdrücklich richtig, diese vielen Menschen und ihren Einsatz zu würdigen. Aber ich halte es nicht für einen Grund zur Freude, wenn immer mehr typische staatliche Aufgaben durch diese Helfer*innen übernommen werden. Politisch verantwortlich zu handeln bedeutet eben in erster Linie, existenzsichernde Lebensbedingungen für alle Menschen herzustellen, und zwar in allen Landesteilen! Und erst recht in einem Land, dass “stark und wirtschaftlich erfolgreich ist”, wie die Kanzlerin so schön sagt.

Angesichts der uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dürfte also die Erwartung an 2018, all die in diesen Reden beschriebenen Problemlagen einer Lösung zuzuführen, nicht übertrieben sein! Diese Erwartung hege ich. #übertriebener #Idealismus 😉
Man kann es auch sagen wie Carolin Emcke:

Vertrauen in das, was uns Menschen auszeichnet – Die Begabung zum Anfangen

 

Happy New Year…

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